Haselmaus

Ebenfalls zu den Schlafmäusen gehört die Haselmaus (Muscardinus avellanarius), eines der niedlichsten, anmutigsten und behendesten Geschöpfe unter allen europäischen Nagetieren, ebenso ausgezeichnet durch zierliche Gestalt und Schönheit der Färbung wie durch Reinlichkeit, Nettigkeit und Sanftheit des Wesens. Das Tierchen ist ungefähr so gross wie unsere Hausmaus: Seine Gesamtlänge beträgt 14 cm, wovon fast die Hälfte auf den Schwanz kommt. Der dichte und anliegende, aus mittellangen, glänzenden und weichen Haaren bestehende Pelz ist gleichmässig gelblichrot, unten etwas heller. Mitteleuropa ist ihre eigentliche Heimat. Ihre Aufenthaltsorte sind fast dieselben wie die ihrer Verwandten, und auch ihre Lebensweise erinnert lebhaft an diese. Niederes Gebüsch und Hecken, am allerliebsten Haselnussdickichte, bilden ihre bevorzugten Wohnsitze. Bei Tage liegt die Haselmaus irgendwo verborgen und schläft, nachts geht sie ihrer Nahrung nach. Nüsse, Eicheln, harte Samen, saftige Früchte, Beeren und Baumknospen bilden diese; am liebsten aber verzehrt sie Haselnüsse, welche sie kunstvoll öffnet und entleert, ohne sie abzupflücken oder aus der Hülse zu sprengen. Als echte Baumtiere klettern die Haselmäuse wundervoll selbst im dünnsten Gezweig herum, nicht nur nach Art der Eichhörnchen und anderer Schläfer, sondern auch nach Art der Affen; denn oft kommt es vor, daß sie sich mit ihren Hinterbeinen an einem Zweige aufhängen, um eine tiefer hängende Nuss zu erreichen und zu bearbeiten, und ebenso häufig sieht man sie geradeso sicher auf der oberen wie an der unteren Seite der Äste hinlaufen, ganz in der Weise jener Waldseiltänzer des Südens. Im August wirft das Weibchen drei bis vier nackte, blinde Junge in sein kugelförmiges, sehr zierlich und künstlich aus Moos und Gras erbautes, innen mit Tierhaaren ausgekleidetes Sommernest, welches sich regelmässig im dichtesten Gebüsch und etwa meterhoch über dem Boden befindet. Die Kinder wachsen ausserordentlich schnell, saugen aber doch einen vollen Monat an der Alten. Um die Mitte des Oktober ziehen sich die Haselmäuse in den Schlupfwinkel zurück, wo sie den Wintervorrat eingesammelt haben, und bereiten sich aus Reisern, Laub, Nadeln, Moos und Gras eine kuglige Hülle, in die sie sich gänzlich einwickeln, rollen sich zum Knäuel - zusammen und fallen in Schlaf. Sie verbreitet nicht wie die Maus einen unangenehmen Gestank und gibt nur im Sommer einen bisamähnlichen Geruch von sich, der aber nicht lästig fällt. Auch in der Gefangenschaft hält sie ihren Winterschlaf.

 

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